Ostseestädter nutzen Heimvorteil

Warnemünde – Trainer Karl-Heinz Reuter und Spielerin Nicole Baier lagen sich in den Armen. Ein paar Meter weiter feierte die Mannschaft ausgelassen im Jubelkreis. Die Strandhandballerinnen des Rostocker Beach Clubs (RBC) verteidigten gestern ihren Titel bei den 21. Beachhandball-Tagen am Warnemünder Strand zum dritten Mal hintereinander. Im Endspiel setzte sich der Seriensieger (insgesamt fünf Titel) diesmal gegen Torpedo Tannenberg mit 2:0 (18:8, 12:11) durch. „Unsere Erfolgsserie ist einmalig“, betonte Reuter stolz. „Die Mädels haben sich diesen Sieg durch ihre mannschaftliche Geschlossenheit verdient.“

Reuter trainiert die Rostockerinnen seit zwölf Jahren. „Wir haben damals als Trainingsgruppe angefangen. Seit sieben Jahren gibt es den RBC als eingetragenen Verein“, ergänzte Baier. Für sie war das lange Wochenende am Ostseestrand eine gelungene Sache. „Ich habe Wegbegleiter aus früheren Tagen wiedergesehen. Hier trifft sich die Handball-Familie“, verdeutlichte die frühere Bundesliga-Spielerin des PSV Rostock. Nadine Rambow fieberte an der Seitenlinie mit. Aufgrund einer Verletzung konnte die MV-Liga-Handballerin des HSV Grimmen nicht mitwirken. „Ich habe mich dennoch riesig für die Mädels gefreut und war mit voller Leidenschaft am Spielfeldrand dabei.“ Die Beachhandball-Tage waren in das Programm der 78. Warnemünde Woche integriert. Zwei Tage dauerte die Veranstaltung, die unterhalb des Leuchtturms ausgetragen wurde. Der Spaß stand im Vordergrund. Das Besondere bei den Spielen im tiefen Sand: Torwarttreffer sowie Feldspielertore per Kempatrick oder nach Pirouetten zählten doppelt. 32 Herren- und 27 Frauenmannschaften gingen auf acht Spielfeldern an den Start. „Bei den Damen gab es drei kurzfristige Absagen von Teams aus Köln, Lübeck und Berlin. Das hat mich ein wenig geärgert“, klagte Organisator Eckard Pedde. Der 55-Jährige saß mit seinem Organisationsteam auf einer überdachten Plattform mit bester Sicht auf alle Felder. Dennoch verloren die Verantwortlichen zu Beginn kurz den Überblick. Weil die Beschallungsanlage nicht funktionierte, gab es Abstimmungsprobleme zwischen Turnierleitung und Teilnehmern. „Es wurden sogar Spiele ausgetragen, die gar nicht geplant waren“, schilderte Pedde. Doch nach den anfänglichen Problemen lief die Veranstaltung, trotz eines zwischenzeitlichen Software-Ausfalls nach der Vorrunde, ohne Komplikationen weiter. Die brütende Hitze in der prallen Sonne mit Temperaturen über 30 Grad an beiden Tagen stoppte den Ehrgeiz der Beachhandballer nicht. „Das war zwar schon grenzwertig, aber der Spaß hat das wettgemacht“, sagte Zweitliga-Handballer René Gruszka vom HC Empor Rostock. Der 24-Jährige feierte mit dem HC Mate im Finale gegen den SV 63 Allstars den Turniersieg bei den Männern. In zwei Durchgängen gewann das Team, das mit weiteren aktuellen und ehemaligen HCE-Akteuren gespickt war, mit 2:0 (13:9, 13:9). Die Turniersieger warfen im Endspiel viele Tore, die doppelt gewertet wurden. So glänzte Michael Höwt mit mehreren Pirouetten-Treffern. Aber auch die Torhüter des HC Mate zeichneten sich mit Torerfolgen aus. „Dieser Triumph ist das i-Tüpfelchen auf ein tolles Wochenende. Ich habe mit vielen Kumpels zusammengespielt, die ich ansonsten nicht so oft sehe“, freute sich Gruszka. Vor vier Jahren hatte er mit Freunden zusammen das Freizeitteam HC Mate gegründet. „Der Name ist in Anlehnung an ein beliebtes Clubgetränk entstanden“, erinnert sich der gebürtige Rostocker.

Finalgegner SV 63 Allstars war trotz der Niederlage nicht enttäuscht. Der Zweitplatzierte nahm nach dem Endspiel ein Bad in der Ostsee. „Wir sind angereist, um zu feiern. Dass am Ende der zweite Platz herausspringt, ist super“, resümierte SV-Akteur Tommy Fengler. Er reiste mit den Allstars aus Brandenburg an der Havel an. Der 24-Jährige genoss die Zeit an der Ostsee. „Es war ein geiles Turnier“, meinte Fengler, der allerdings beim nächsten Mal auf mehr Verpflegungsstände hofft. Trotz der schwierigen Begleitumstände zu Beginn zog auch Organisator Eckard Pedde ein positives Fazit: „Wir können mit dem Turnierverlauf zufrieden sein.“

Ostsee-Zeitung vom 07. Juli 2015, Johannes Weber