Rostocker Frauen feiern Titel-Hattrick

Der Beach Club gewinnt zum dritten Mal in Folge. Polizei-Fußball-Europameister gibt sein Handball-Debüt.

Warnemünde Etwas verloren stand Lars Rother am Wochenende im Sand am Strand von Warnemünde. Oft flog der Ball an dem 26-Jährigen vorbei, der beim 20. Jubiläum der Beachhandball-Tage im Ostseebad sein Debüt gab. Dafür blockte der Modellathlet für seine Mitspieler viele Räume frei, so dass sie ungestört zum Abschluss kommen konnten.„Meine Freundin Nicole Baier hatte mich animiert, hier aktiv mitzumachen. Wie man gesehen hat, bin ich nicht der große Beachhandballer“, meinte Rother nach dem letzten Turnierspiel für sein Team „Zentrale Autoglas“, das sich nicht für die Finalrunde qualifizieren konnte. Baier machte es besser. Sie spielte für den späteren Turniersieger Rostocker Beach Club (RBC).

Beim Traditionsturnier, das zum Rahmenprogramm der 77. Warnemünder Woche gehörte, trafen am Sonnabend und Sonntag Freizeitsportler auf Hallen- und Beachhandballexperten. Unter den Aktiven waren viele aktuelle und ehemalige Bundesliga-Spieler, darunter Nele Reimer (HC Leipzig), Norman Flödl und René Gruszka oder der frühere Torhüter Bernd Brümmer (alle HC Empor Rostock). Die 32 Frauen- und 31 Männerteams gaben sich Fantasienamen von A wie „Ackerspritzpiepen“ bis zu W wie „Wat mut dat mut“. Sie kamen aus ganz Deutschland. Viele ehemalige Rostocker fanden den Weg zurück in ihre Heimat.„Wie in den Vorjahren waren die Beachhandball-Tage das Klassentreffen der Handballer. Wir haben einige Spiele auf hohem Niveau gesehen. Alle Teams kamen auf ihre Kosten“, freute sich Organisator Rainer Voß vom Bezirkshandballverband (BHV) Rostock/MV-Nord. Der 55-Jährige moderierte die beiden Finals, die in der erstmals aufgebauten Sport- und Beach-Arena ausgetragen wurden. So bekamen die Zuschauer einen Einblick in die Sportart, die nach modifizierten Regeln gespielt wird.Im Frauen-Wettbewerb erreichte der Rostocker Beach Club zum dritten Mal in Folge das Endspiel. Dort entwickelte sich eine spannende, temporeiche Partie gegen „Pädagogik... Und Tschüss“, ebenfalls aus der Hansestadt.Der Außenseiter konnte die erste Hälfte in der Verlängerung (20:19) für sich entscheiden und ging mit 1:0 in Führung. Ein Remis gibt es im Beachhandball nicht. Stattdessen wird jede Halbzeit für sich gewertet und ausgespielt, bis ein Sieger feststeht. Den zweiten Durchgang gewann der RBC (18:17). Das Penaltywerfen musste entscheiden. Hier setzte sich das Team um Baier, die in der vergangenen Saison noch beim RHC in der dritten Liga ausgeholfen hatte, durch. Endstand: 2:1. Damit machten die Rostockerinnen den Titel-Hattrick perfekt.„Unser zweiter Sieg in diesem Sommer. Zuvor hatten wir schon in Boltenhagen gewonnen. Jetzt wollen wir noch in Wismar spielen“, sagte Baier, ehe sie im großen Jubelkreis verschwand, den die Lebensgefährten erweiterten, die als Gauditruppe angetreten waren.Während Rother im Angriff nur eine Nebenrolle spielte, stand seine Freundin oft im Mittelpunkt des Geschehen. Die 27-Jährige stürmte als Torfrau oft mit nach vorn und schloss selbst ab. Kein Wunder:Treffer durch Torhüter sowie Feldspielertore per Kempatrick oder nach Pirouetten zählten doppelt.

Rother spielt ansonsten Fußball für den FC Förderkader René Schneider und für die deutsche Polizei-Nationalmannschaft. Und dies sehr erfolgreich! Erst Ende Juni wurde der Offensivspieler mit der Auswahl in Prag (Tschechien) Europameister. Der Rostocker kam in allen Partien zum Einsatz und steuerte sogar einen Treffer zum Erfolg bei. In der kommenden Saison spielt der Blondschopf mit dem Verbandsliga-Aufsteiger FC Förderkader in der höchsten Spielklasse Mecklenburg-Vorpommerns.„Man hat gesehen, dass Lars als Fußballer ein gutes Spielverständnis hat. Aber an seiner Wurftechnik müssen wir noch arbeiten“, analysierte Baier. „Auf alle Fälle hat Lars erkannt, dass Handball doch nicht so einfach ist“, betonte die gebürtige Wolgasterin, die von 2004 bis 2006 mit dem PSV Rostock in der 1. Bundesliga spielte.Im Anschluss sah das sportliche Paar im Männer-Finale den 2:1-Sieg nach Penaltywerfen der „Winterhalter“ aus Döbeln gegen die „Ostseebelle“, einer Auswahl von Doberaner und Rostocker Handballbegeisterten um Stefan Jähnke, Bernd Brümmer und André Wilk. „Es war ein tolles Turnier: sehr fair, ungezwungen und super organisiert“, lobte Rother. „Es wäre wünschenswert, die Arena auch 2015 dabei zu haben“, ergänzte der BHV-Vorsitzende Volker Schnepel. Einziger Wermutstropfen: Die Beachparty musste am Samstagabend wegen des Unwetters abgebrochen werden. Sie soll am kommenden Sonnabend um 18 Uhr nachgeholt werden.

Trainer Tobias Klugmann (28), Ribnitz: "Das Turnier war toll organisiert und hat großen Spaß gemacht.“  

Organisator Rainer Voß (55), BHV Nord: "Es war sehr heiß. Mit den Temperaturen hatten viele Spieler zu kämpfen.“

DREI FRAGEN AN...

1 Norman, Sie haben gerade die erste Etappe der Vorbereitung auf die neue Saison in der 2. Handball-Bundesliga mit dem HC Empor
Rostock abgeschlossen. Und dann sind Sie hier schon wieder am Ball? Na klar! Das liegt doch nahe, wenn man beim HC Empor spielt. Die Beachhandball-Tage sind eine tolle Abwechslung. Das Turnier ist gut organisiert und man trifft hier viele bekannte Gesichter. Und zwischendurch kann man sich in der Ostsee abkühlen. Das macht einfach Riesenspaß.

2 Sie sind nicht besonders weit gekommen. Im Achtelfinale war Schluss. Welche Rolle spielt das Ergebnis bei dieser Veranstaltung? Wir wären gern weitergekommen. Aber das Ergebnis ist nicht ganz so wichtig. Der Spaß steht im Vordergrund. Man darf nicht vergessen: Es spielt hier nur eine untergeordnete Rolle, wie gut man im Hallenhandball ist. Ein guter Hallenhandballer muss nicht gleich eine guter Beachhandballer sein.

3 Gutes Stichwort: In der Halle sind Sie Kreisläufer und verteidigen im Mittelblock. Hier spielen Sie den stürmenden Torwart. Wie kommt es? Ich war in der ersten und zweiten Klasse in der Schule Fußballtorhüter. Diese Position hat mir großen Spaß gemacht. Deshalb gehe ich auch heute noch gern ins Tor.

Ostsee-Zeitung vom Montag, 07. Juli 2014, von Tommy Bastian